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Versteckte Botschaften
Kevin Clarke und Klaus Schneider in einer gemeinsamen Ausstellung in der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main / Von Katrin Neuwirth

Die Werke von Kevin Clarke und Klaus Schneider weisen
Schriftcodes auf, die sich über die Bildebene legen. Dabei
steht das visuell Wahrnehmbare zunächst im Vordergrund,
das zu Lesende wird erst in einem weiteren Schritt
erkennbar.. So unterscheiden
sich die Arbeiten der beiden
Künstler von jenen Kompositionen
aus der Visuellen und
Konkreten Poesie, die in der
Regel ein simultanes Seh- und
Leseerlebnis erzeugen.
Der 1953 in Brooklyn geborene
Künstler und Fotograf
Kevin Allan Clarke ist vor allem
für seine DNA-Porträts bekannt,
in denen er die durch
eine Haaranalyse erstellte
DNA des jeweiligen Modells
mit einer Metapher kombiniert,
die für den Charakter
oder eine signifikante Eigenschaft des Porträtierten stehen
soll. Diese Metapher, bei der es sich beispielsweise um ein
Objekt oder eine Pflanze handeln kann, reproduziert Clarke
im Farbumkehrverfahren. Aus den vier Zeichen A, T, C und
G, die die Anfangsbuchstaben der Basen der DNA Adenin,
Thymin, Cytosin und Guanin darstellen, kreiert Clarke den
individuellen Fingerabdruck seines Modells. Mit seinen Bildern,
die gewissermaßen als Idealporträts zu verstehen sind,
macht der Schüler des Konzeptkünstlers Hans Haacke Unsichtbares
sichtbar und revolutioniert das Genre des Porträts.
Ende der 1980er-Jahre vollzog sich in der Fotografie von Kevin
Clarke ein Wandel: Fortan richtete sich der Künstler nicht
mehr nach Außen, sondern nach Innen. Sein erstes DNAPorträt
entstand 1988 und war ein Selbstporträt, das Clarke
im Kontext eines Analyseverfahrens bei der Firma Applied
Biosystems in Kalifornien realisieren konnte, für die er sein
eigenes Blut zur Verfügung stellte. Die kurz darauf folgenden
Porträts über seine damalige Frau und Freunde fasste er
unter dem Serientitel „Tertulia“ zusammen. Die Entwicklung
dieser besonderen Arbeiten war geprägt von Clarkes Begegnung
mit dem Nobelpreisträger James D. Watson, der gemeinsam
mit Francis Crick das Doppelhelixmodell der Molekularstruktur
der Desoxyribonukleinsäure (DNS) entdeckt
hatte. Als der Künstler von dem Wissenschaftler erfuhr, dass
es aber bislang noch an einem labortechnischen Verfahren
fehle, um die DNS-Sequenz individualisiert und non-komparativ
darzustellen, wendete er sich an das Unternehmen
Applied Biosystems um ein solches Sequenzierungsverfahren
entwickeln zu lassen. Die ungewöhnlichen Porträts von
Kevin Clarke treten in der noch bis 3. August dauernden Ausstellung
„code 17 ~ 4. Kevin Clarke und Klaus Schneider“ in
der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main in einen spannenden
künstlerischen Dialog mit den Arbeiten von Klaus
Schneider. Die von Giselher Hartung kuratierte Schau wird
am 3. Mai mit einer Rede von Luminita Sabau eröffnet.
Der 1951 geborene Klaus Schneider interessiert sich für die
poetische Konvention des siebzehnsilbigen
Haiku. In seinen
Bildern erforscht er, wie sich
siebzehn Schriftsilben in der
Erscheinung von Farben und
Formen zu einer Gesamtkomposition
verbinden können. Die
Intention des studierten Germanisten
und Malers ist dabei,
Sprachpoesie in eine parallele
und ungegenständliche Bildpoesie
zu übersetzen. Schneider
gestaltet und befragt simultan
visuelle Wahrnehmung und
Sprache. So auch in seinen Werken,
in denen er in Brailleschrift
– also Blindenschrift – überführte
Texte grafisch und teils
auch haptisch mit einem ungegenständlichen
Bildgeschehen
in Beziehung setzt. Indem der
Künstler in wiederum anderen
Arbeiten Blindenschrift auf
Fotografie treffen lässt, hinterfragt
er die Gemeinsamkeiten
und Divergenzen der menschlichen Kommunikationssysteme.
Klaus Schneider war bereits in einigen Ausstellungen
europaweit vertreten, darunter 2017 im Kunstverein Unna,
2014 in der Städtischen Galerie Dreieich sowie in der Photobastei
Zürich und 2008 im Technikmuseum Berlin.
Die Beschäftigung mit Schriftcodes in der Kunst ist also
beiden Kunstschaffenden gemein. Hinter diesen Zeichen
verbirgt sich eine Botschaft, die aber erst bei erneutem Hinsehen
offenbar wird. Die Oberfinanzdirektion Frankfurt am
Main lädt Interessierte dazu ein, diesen Botschaften